Die Entwicklung der Albertstadt in Dresden

Zu Zeiten des deutschen Kaiserreiches, im Jahr 1866, kämpfte Sachsen an der Seite Österreichs und wurde durch den Verlust und den damit verbundenen Beitritt zum Norddeutschen Bund militärisch enorm geschwächt. Damit wollte sich der damalige Kriegsminister Alfred von Fabrice jedoch nicht abfinden und suchte nach einer eigenen Lösung für dieses Problem. Fabrice verlegte Kasernen und andere Einrichtungen in den Norden der Stadt und fing an, erste kleinen Anlagen errichten zu lassen. In Zeiten privater Immobilienspekulationen, die immer neue Höhen erreicht hatten, gelang ihm dann ein genialer Coup. Fabrice ließ die bestehenden Militärimmobilien in der Stadt gegen komplett neu gebaute Anlagen in einem eigenen Stadtteil tauschen.

Dieser neue Stadtteil setzte sich aus den Gemeinden Loschwitz, Klotzsche, Rähnitz und Wilschdorf sowie aus Teilen des Fischhäuser und Neudorfer Staatsforstreviers und Flurstücken der Stadt Dresden zusammen. Die planmäßig angelegte Stadt wurde als Garnison der sächsischen Armee ausgebaut und nach dem damaligen Oberbefehlshaber aller sächsischen Truppen und regierenden sächsischen König Albert benannt. 1870/71 billigte das Kriegsministerium Pläne zur Errichtung einer wirtschaftlich und politisch eigenständigen Militärstadt am Südrand der Dresdner Heide.  Im Jahre 1883 wurde das Gebiet zum selbstständigen Gutsbezirk ernannt.

Ziele dieser Militärstadt waren vor allem die wirtschaftliche Unabhängigkeit, kurze Entscheidungs-wege und das Fernhalten unerwünschten politischen Einflusses von außen. Neben der militärischen Ausbildung konnten zudem auch die Lebensbedingungen der Soldaten  und Offiziere deutlich verbessert werden.

Das älteste Gebäude der Albertstadt, die Schützenkaserne am Alaunplatz, wurde bereits 1871 von französischen Kriegsgefangenen errichtet. Vier Jahre später wurde das Areal um weitere 1.500 Hektar erweitert, sodass die großzügigen Planungen umgesetzt werden konnten. Geleitet wurde dieser erste Bauabschnitt von Alfred von Fabrice, der mit Hilfe der Architekten Hermann Nicolai und Gustav Rumpel sowie der Königlich-Sächsischen Militärbaudirektion sämtliche Kasernen und Nebengebäude errichten lassen hat. Die damalige Hauptachse – heute die Stauffenbergallee – wurde auf 3 km Länge als Heer- und Paradestraße ausgebaut und bot den Kasernen der sächsischen Infanterieregimenter, dem Hauptwachgebäude, der Garnisonskirche oder weiteren Militäreinrichtungen das entsprechende Ambiente.

Der zweite wichtige Komplex war das Arsenal rund um das heutige Militärhistorische Museum an der Kreuzung der neuen Heerstraße und der Königsbrücker Straße. Das Arsenalhauptgebäude mit den massiven Militärwerkstätten entwickelte sich zum Zentrum der Rüstungsindustrie und vereinigte Lager- und Magazingebäude sowie Fabriken. Heute ist dieses Areal nach Ansiedlung zahlreicher ziviler Unternehmen als Industriegelände bekannt.

Nach dem Tod Fabrices 1891 wurde der Ausbau der Albertstadt von Carl Paul von der Planitz fortgesetzt. In den folgenden 20 Jahren entstanden unter anderem weitere Kasernenbauten, das Sächsische Kriegsarchiv an der Marienallee oder 1910 das Sächsische Soldatenheim.

Zum Ende des Ersten Weltkrieges sollte die Albertstadt nach Dresden eingemeindet werden, die Versuche sind jedoch am Widerstand des Ministeriums gescheitert. Während des Zweiten Weltkriegs gewann die größtenteils entmilitarisierte Albertstadt wieder an Bedeutung und wurde in die Rüstungswirtschaft des Deutschen Reichs einbezogen. 1945 blieb die Albertstadt weitgehend unzerstört und wurde am 1. Juli vom Oberbürgermeister Friedrichs doch nach Dresden eingemeindet. Ende des Jahres musste der Beschluss rückgängig gemacht werden, da auch das Land Sachsen seine Ansprüche geltend machte. Die Verwaltung blieb jedoch bei der Stadt Dresden. Die Kasernen und Einrichtungen wurden meist von der Roten Armee und der NVA genutzt.

Mit der Auflösung der NVA und dem Abzug der Roten Armee rückte die frühere Militärstadt 1990 wieder stärker in den öffentlichen Fokus. Die anschließende Neugestaltung beinhaltete die Rekonstruktion vieler Gebäude, die heute unter anderem vom Regierungspräsidium genutzt werden. Die Militärische Tradition des Stadtteils wird seit 1998 von der Heeresoffizierschule der Bundeswehr und vom bereits genannten Militärhistorischem Museum fortgesetzt.