Projektbeschreibung 

Jägerpark - Dresden Neustadt

 

Der neue CO²- neutrale, energetisch selbstversorgende, vernetzte, ressourceneffiziente und klimaangepasste Stadtteil Dresdens

 

I.    Allgemein

 

Die Albertstadt mit dem „Jägerpark“ ist eine von mehreren im Entwurf des Flächennutzungsplans der Landeshauptstadt Dresden mit Wohnbauflächenpotential ausgewiesenen Flächen. Durch die Gunst der Lage am Rande der Dresdner Neustadt und als Bindeglied zur Naherholung in der Dresdner Heide beinhaltet die heutige Brachfläche ein starkes Potential für eine städtebauliche Entwicklung.

 

Das Planungsgrundstück liegt am nördlichen Rand der Dresdner Neustadt, nördlich der Stauffenbergallee. Planungsziel ist die Erarbeitung eines städtebaulichen Konzepts für die Entwicklung des ca. 100.500 m² großen Gebietes zu einem attraktiven und nachhaltigen Wohnquartier mit besonderem Fokus auf eine intelligente Eigenversorgung mit Wärme, Strom und Mobilität aus der Sonne sowie familienfreundlicher Wohnraum zu fairen Mieten.

 

Die Neubestimmung von öffentlichen Räumen ist schon immer eine der bedeutendsten Aufgaben im Städtebau. Sie hat strukturelle, gesellschaftliche und geschichtliche Hintergründe.

 

Der anhaltende Trend zum Wohnen in der Stadt und das erkennbar gestiegene Interesse vieler Bürger an ihrer unmittelbaren Lebensumgebung haben die Ansprüche an die Städteplanung deutlich erhöht. Die steigenden Anforderungen im Beruf verlangen immer mehr nach einem privaten Wohn- und Lebensbereich, der durch die Nähe zur Natur und die Schaffung grüner Räume in verschiedenen Ausprägungen (ausreichendes und hochwertiges Stadtgrün sowie biologische Vielfalt) und Begegnungsstätten Erholung ermöglicht und Gelassenheit schafft, damit sich kreative Gedanken entwickeln können und das Wohlbefinden der städtischen Bevölkerung sichergestellt wird.

 

Auch die von den zunehmenden Änderungen in der demografischen Entwicklung sich abzeichnenden Veränderungen werden aufgegriffen, insbesondere auch die Interessen der Wertvollsten, unseren neuen Generationen sowie der älteren Generation durch altersgerechte barrierefreie Wohnungen. Diese Generation soll ihre Erfahrungen an die jüngeren Generationen weitergeben, um somit die Wertschätzung der „Best Ager“ durch junge Familien zu fördern.

 

Das Projekt nimmt demzufolge neben einer ästhetischen, konzeptionellen und klar strukturierten Stadtplanung und Architektur auch die Tendenz der deutlich gewordenen Wünsche bezüglich der Entwicklung im zwischenmenschlichen Bereich auf, was auch Ziel der Zukunftsstadt 2030+ ist. So werden den Ansprüchen einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft und den Anforderungen des Klimawandels und der Energiewende tiefgreifend Rechnung getragen.

 

II.   Städtebauliche Merkmale

 

Der städtebauliche Entwurf thematisiert das Spannungsfeld zwischen der großmaßstäblichen historischen Kasernenbebauung nördlich der Stauffenbergallee und der offenen Landschaft der Dresdner Heide.

 

Die in der Bebauungsstruktur von ehemaligem Offizierscasino  und dem Landesamt für Steuern angelegten städtebaulichen Achsen werden durch die Neubebauung aufgenommen, teilweise mit räumlichen Endpunkten versehen und in den Landschaftsraum weitergeführt.

 

Der westlich gelegene Quartiersabschnitt bildet gemeinsam mit dem großmaßstäblichen Casinogebäude eine neue räumliche Einheit. Dem Casino und seiner im Süden angeschlossenen Grünanlage wird ein dreiseitig gefasster öffentlicher Platz gegenübergestellt. Hier soll im nördlichen Abschnitt eine Begegnungsstätte für die Bürger entstehen. Entlang seiner südlichen Platzkante wird das in diesem Bereich um ca. 4 m höher gelegene Gelände bis auf das Niveau der Planstraße abgesenkt; der Platz selbst setzt sich als sanft terrassierte Anlage fort ins neue Wohngebiet und bildet den Schwerpunkt des westlichen Quartiersteils.

 

Der östliche Quartiersabschnitt greift die vom Landesamt und die in der dahinterliegenden Grünraumordnung aufgespannte Sicht- und Funktionssache auf und führt sie über eine Abfolge mehrerer unterschiedlich gestalteter Räume fort in den Jägerpark. Auftakt ist eine aus vier Gebäudevolumina gebildete, eingezogene Raumkante, die die aufwändig als Baumpark angelegte Parkfläche des Landesamtes nach Norden hin fasst. Sie dient gleichzeitig als Auftakt für die zentrale, in den Jägerpark führende Fußwegverbindung, in deren Folge sie sich zum großen, zentralen Quartiersplatz öffnet. Dieser erhält einen Schwerpunkt auf seiner Südhälfte durch zwei Pavillonbauten, die öffentlicher Nutzung vorbehalten sind. Über einen den Platz im Norden eingrenzenden Vierpass aus turmartigen Stadtvillen wird die Wegeachse fortgesetzt  und mündet enfiladenartig in eine zweite Platzanlage, die sie mit ihrer Öffnungsgeste Richtung Norden in den Jägerpark entlässt.

 

Es ist vorgesehen, den gesamten ruhenden Verkehr durch zwei direkt von der Planstraße aus erreichbare Tiefgaragen abzuwickeln. Von diesen Tiefgaragen aus lassen sich knapp 80 % aller Wohngebäude direkt erreichen.  Die das neue Quartier erschließenden Anliegerstraßen sind als Mischverkehrsfläche angelegt, sollen nur zu Liefer- und Versorgungszwecken bzw. für Elektromobilität genutzt werden und sind so geführt, dass mit einem Minimum an Verkehrsweglänge das gesamte Quartier erschlossen wird.  Die Tiefgaragen werden so angeordnet, dass eine auch für Baumbestand ausreichende Substratüberdeckung gewährleistet ist.

 

Ergänzend zu diesem Erschließungssystem verbindet eine in Ost-West-Richtung verlaufende, ausschließlich Fußgängern vorgesehene grüne Magistrale beide Quartiershälften miteinander. Ihren östlichen Endpunkt bildet das Gesundheitszentrum mit einem ergänzenden Einzelhandel.  Diese knapp 500m lange, baumbestandene Achse quert alle neugeschaffenen Platzräume und bietet mit ihrem vielfältigen Wechsel von baulicher Fassung und räumlicher Weite eine spannungsreiche, quartierseigene Promenade.

 

Der im Städtebau angelegte Wechsel von Verdichtung und Lockerung findet seine Entsprechung in der Vielfalt der Haustypen. Punktförmige Stadtvillen, kompakte Mehrfamilienhäuser und langgestreckte Riegelbauten mit mehreren Aufgängen bilden eine abwechslungsreiche Bebauungsstruktur. Die im Siedlungskonzept angestrebte Vielfalt in der Einheit wird durch abwechslungsreiche Fassadengliederung,  jedoch einheitliche Bekleidungsmaterialwahl in Form von hellbeigem, leicht buntem Klinker gewährleistet. Dies gilt auch für die nachdrücklich angestrebte Diversifizierung der Wohnformen.

 

Für das neue Quartier am Jägerpark ist ein umfangreiches Nachhaltigkeitskonzept geplant, welches sich von der behutsamen Materialwahl über möglichst geringe Versiegelung des Grundstückes bis zu regenerativen Energiequellen zieht. Ein Passivhausstandard wird angestrebt.

 

III.  Energetische Merkmale

 

Für das Neubauprojekt Jägerpark in Dresden wird ein innovatives und langfristig wirtschaftlich tragfähiges Energiekonzept geplant, welches den Anforderungen der aktuellen ENEV sowie den Prämissen der Zukunftsstadt Dresden 2030+ übertreffen wird. In Kooperation mit dem Büro von Prof. Dipl. Ing. Leukefeld aus Freiberg / Sachsen wird direkt im Quartier ein Energiemix aus Photovoltaik und Solarthermie konzipiert, der ca. 70 % des prognostizierten Verbrauchs an Wärme und Strom abdecken wird. Den Rest ergänzen andere erneuerbare Energiequellen. Ergänzend hierzu soll vor allem in den Nachtstunden Windenergie genutzt werden, um die Energiespeichermedien wieder aufzufüllen. Auf die Nutzung von fossilen Energiequellen soll vollständig verzichtet werden.

 

Für die zukünftigen Bewohner der Wohnanlage soll eine „Flatrate - Miete“ angeboten werden, in der Wohnen, Wärme, Strom und Mobilität bereits enthalten ist. So wird eine verlässliche Kostensicherheit für Mieter und Vermieter sichergestellt. Flankiert wird das Energiekonzept von zahlreichen Elektrotankstellen für PKW und E-Bikes, die den größten Teil des Jahres eigenen im Quartier gewonnenen Solarstrom bereitstellen. In dieser Zeit ist das „tanken“ mit E-Mobilen für die Bewohner in der „Energieflat“ bereits enthalten. Innerhalb der oberirdischen Wohnanlage soll der (fossile) PKW Verkehr vollständig eingeschränkt werden. Die vorgesehenen Langzeitenergiespeicher werden mit dem Dresdner Energieversorger vernetzt und können so auch von außen bewirtschaftet werden. Überschussenergie kann eingelagert und in Zeiten von Energiemangel entnommen werden. So werden die Netze stabilisiert und gemeinsam mit dem Dresdner Energieversorger neue für beide Seiten gewinnbringende Geschäftsmodelle ohne staatliche Subventionen entwickelt.

 

Die Energiekonzepte haben aufgrund ihrer Dimension einen Pilotcharakter und sind so in Deutschland noch nicht realisiert worden.

 

IV.  Ökologische Merkmale

 

Die Planung sieht für das Gelände großzügige Grünzüge vor, die gleichzeitig Funktionen als Lärmschutzwall und Ersatzbiotop erfüllen. Im nördlichen Grundstücksbereich am Übergang zum Waldgebiet ist mit einer Gesamtfläche von ca. 7.750 m² ein Ersatzbiotop – der Reptilienwall – vorgesehen, eigens für Reptilien hergerichtet. Damit wird für die streng geschützten Arten von Schlingnattern und Zauneidechsen ein neuer Lebensraum entwickelt, der dauerhaft bestehen bleibt und den Fortbestand der Population sichern wird.

 

Weiter steht im Mittelpunkt das Anlegen von Kleingärten für die Selbstversorgung mit heimischen Obst- und Gemüsearten. Auch der schützenswerte alte Baubestand (z.B. Reste aus den ehem. Parkanlagen) soll in die neuen Häusergrünflächen eingebettet werden, um Beschattungsflächen und Widererkennungsmerkmale zu schaffen.

 

Neben einer Vielzahl von Grünflächen soll das anfallende Niederschlagswasser in Zisternen gesammelt werden, um so die Bewässerung der Grünflächen zu unterstützen bzw. vollständig darüber sicher zu stellen.

 

Erklärte Zielstellung ist das Etablieren von Grünzügen, mit denen der umgebende Grünraum mit dem Quartier verflochten werden soll sowie die intensive Durchgrünung des Vorhabengebietes unter ökologischen Aspekten.

 

Positive Effekte sind besonders mit der geplanten Entwicklung des Stadtrandes und mit der Verbesserung der aktuell unzulänglichen Verhältnisse auf der Trümmerschutt- und Brachfläche, des Landschaftsbildes und der Naherholungsverhältnisse zu erwarten.

Die Überdeckung des Trümmerschutts mit Kulturboden sowie die Reduzierung der Ausspülungen bei Versickerung von Regenwasser sind deutliche Verbesserungen gegenüber dem Ist-Zustand.

 

  • Viele nach Süden ausgerichtete steile Dach- und Fassadenflächen

  • niedrigster Heizwärmebedarf der Gebäude (<20 kWh/m²a)

  • optimale passive Sonnenenergienutzung

  • verschattungsfreie Gebäudeplanungen

  • Bauteilaktivierung für Kühlung vorgesehen

  • massive Bauweise, um Speichermasse zu schaffen

     

Die getrennte Müllentsorgung und die eigene Biokompostierung runden diese Merkmale ab.

 

Jägerpark Wohnungsbaugesellschaft mbH                           Herr Sigurd Freiherren Marschall von Bieberstein

 

OI Dipl.-Ing. Kay Tews                                                           vertreten durch Frau Babara Wilke, Rechtsanwältin

Geschäftsführer                                                                     ausgewiesen durch Generalvollmacht vom 02.12.2009